Mission Europa: Die Vision junger Europäer zur Zukunft Europas

 

Wirtschaft statt Werte! Das ist das überraschende Ergebnis einer Umfrage, die das Marktforschungsinstitut YouGov kürzlich mit Jugendlichen aus sechs europäischen Ländern durchgeführt hat. Drei Viertel gaben dabei an, dass für sie nicht gemeinsame Werte, sondern die wirtschaftliche Zusammenarbeit der Kern der Europäischen Union sei .  (1/2)   Nur knapp 20 Prozent der jungen Europäer schreiben der EU eine gemeinsame kulturelle Basis zu. Zudem sehen die jungen Europäer die EU eher als Verwaltungsapparat, denn als eine Gemeinschaft, die sie gestalten und verändern können. Mehr als ein Drittel der Befragten kritisieren auch die konkreten politischen Ziele und Pläne der EU, während etwa ein Viertel die grundsätzliche Organisation und Arbeitsweise der Europäischen Institutionen stört. Am erschreckendsten: Nur gut die Hälfte (52 Prozent) der jungen Europäer sieht die Demokratie als beste Staatsform an. Vor allem in Italien, Frankreich und Polen, Länder, in denen Populismus-Bewegungen in den letzten Jahren am meisten Zuwachs hatten, ist die Zustimmung für andere Staatsformen am höchsten.

Ähnliche Tendenzen lassen sich auch vermehrt in anderen EU-Staaten erkennen. Derzeit haben viele Menschen Angst, ihre Kultur, Identität oder Lebensweise zu verlieren. Gleichzeitig driften die europäischen Gesellschaften immer mehr auseinander, Nationalismus nimmt wieder zu. Die Europäische Union verliert immer mehr Unterstützung bei ihren Bürgern. Dies ist nicht zuletzt auch eine Folge der verschiedenen Krisen der letzten Jahre. Diese Krisen wiederum führten zu einem Erstarken von populistischen Ideen, Euro-Skeptizismus und wachsenden Unterschieden zwischen den Mitgliedsstaaten. Umso wichtiger – und auch dringender – sind Initiativen von jungen Europäern, die sich konstruktiv mit der Zukunft der Europäischen Union auseinandersetzen, ihre Wünsche und Visionen artikulieren und sich aktiv dafür einsetzen.

Ein spannendes Projekt, das wir bei B2P Communications in den letzten Wochen begleitet haben, war die „Mission Europa“: In zwei Workshops der REWE Group und der Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa haben Jugendliche aus 15 verschiedenen Nationen sowie unterschiedlichsten Bildungs- und kulturellen Hintergründen ihre Vision zur Zukunft der Europäischen Union entwickelt. Ein Jahr vor den Europäischen Parlamentswahlen ermutigen sie mit dieser Agenda insbesondere die junge Generation, ihre Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und 2019 ihr Wahlrecht zu nutzen.

Von der Politik fordern die Jungen Europäer rasch Initiative zu ergreifen. Hierfür nennt ihr Manifest konkrete Handlungsempfehlungen: So fordern die Autoren die Einführung eines Zivildienstes für alle EU-Bürger. Der Zivildienst im eigenen Heimatland oder im EU-Ausland solle jungen Menschen dabei helfen, ihre beruflichen Perspektiven zu stärken, indem sie Wissen, Fähigkeiten, Orientierung sowie Netzwerke für ihre Zukunft aufbauen. Zusätzlich plädieren die Verfasser für eine EU-Bürgerversammlung. Das Diskussionsforum könne die Vielfalt innerhalb der EU besser widerspiegeln als dies derzeit im Europäischen Parlament der Fall sei. Auch der bereits in der Öffentlichkeit diskutierte Vorschlag transnationaler Listen für die Europawahl findet sich im Manifest wieder. Zudem empfehlen die jungen Autoren die Einführung einer alljährlich stattfindenden Europäischen Woche. Neben EU-weiten Austauschprogrammen sowie gesellschaftlichen Diskussions- und Kulturveranstaltungen soll während dieser Woche vor allem in Schulen und Universitäten das Thema Europa im Mittelpunkt stehen. Um das gesellschaftliche Bewusstsein für Europa zu stärken, müssten hierbei auch EU-Kommissare, EU-Mitarbeiter und Parlamentarier den direkten Austausch mit Schülern, Studenten und Bürgern aktiv suchen.

 

Hier finden Sie das Manifest in deutscher Sprache.

 

(1) YouGov, Studie: Nur jeder zweite junge Europäer steht voll zur Demokratie, zuletzt abgerufen am 29. Mai 2018

(2)  TUI Stiftung, Junges Europa 2017 – Die Jugendstudie der TUI Stiftung, zuletzt abgerufen am 29. Mai 2018

 

 

 

Laura König - 6. Juni 2018