J.E.D.I. – Möge die Macht mit Europa sein

 

Was haben René Obermann (ehemals CEO Deutsche Telekom), Antoine Petit (Präsident des CNRS – Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) und Denis Mercier (General der französischen Luftstreitkräfte und NATO-Kommandeur) gemeinsam? Sie alle unterstützen die J.E.D.I.-Initiative. Ziel dieses Zusammenschlusses von Unternehmern, Forschern, Wissenschaftlern und Spitzenbeamten ist es, künftig bahnbrechende, sogenannte „disruptive“ Innovationsprojekte zu fördern, um die Abhängigkeit Europas von den USA und China zu verringern (1) .

 

Dies erscheint dringend notwendig, wie zuletzt auch die Forscher des Think Tanks der Europäischen Kommission European Political Strategy Centre (EPSC) in ihrer Studie zum Thema Künstliche Intelligenz (KI) feststellen. (2/3) Nur 4 Prozent aller Daten, die auf der Welt verarbeitet werden, werden in der Europäischen Union (EU) gespeichert. Im Hinblick auf Forschungszentren für KI stellten sie fest, dass es zwar keinen Mangel an angesehenen Zentren gebe, jedoch hätten Universitäten oft nur geringe Verbindungen zu anderen Forschungseinrichtungen und keine nennenswerte Unterstützung durch öffentliche Mittel und nur unsystematische Beziehungen zur Unternehmenswelt. Zudem verfügten sie nicht über ausreichende Ressourcen, um sich zu vergrößern und so zu vernetzten Institutionen zu werden, die in der Lage sind, an ambitionierten, groß angelegten Forschungsprojekten oder kommerziellen Anwendungen zu arbeiten.

 

Mittlerweile haben die 10 größten Unternehmen der Welt ihren Ursprung entweder in den USA oder in China. Sieben von ihnen sind inzwischen Technologieunternehmen. Diese Zahlen verdeutlichen einmal mehr, dass Amerikaner und Chinesen um die künftige Vorherrschaft bei der künstlichen Intelligenz ringen. Vor kurzem erst hat die Regierung der Volksrepublik verkündet, bis 2030 bei KI die „weltweite Führung“ an sich zu reißen  (4). Aufgrund der Größe des nationalen Marktes und der zur Verfügung gestellten Mittel würden Innovationen dort zusätzlich beschleunigt, bestätigen auch die Forscher des EPSC (5) . Frankreich und Europa hingegen finden sich trotz vieler Talente und exzellenter Einrichtungen zunehmend abgehängt. Laut Emmanuel Macron, dem französischen Präsidenten, stehe nicht weniger auf dem Spiel als die „europäische Souveränität“ (6) .

 

Nach seiner Sorbonne-Rede vom 26. September 2017, in der er eine europäische Innovationsagentur gefordert hat, haben sich mittlerweile mehr als 100 europäische Unternehmen und Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Verwaltung der Initiative angeschlossen und eine konkrete Ausgestaltung dieser Agentur erarbeitet. Zu den Unterstützern zählen unter anderem: (7/8/9) Jean-Yves Le Gall (CNES/Nationales Zentrum für Weltraumforschung), Claudie Haigneré (Frankreichs erste Astronautin), Klaus Hommels (Gründer des Wagniskapitalfonds Lakestar), Dirk Hoke (Airbus Defence and Space), sowie Hervé Guillou (Naval Group).

 

Bei der Auswahl der Förderprojekte durch die J.E.D.I.-Initiative soll die US-amerikanische Förderagentur DARPA (Defense Advanced Research Projects Agency) als Vorbild dienen (10) . Viele heute weltbekannte und oft genutzte Anwendungen oder Produkte, u.a. Apples Siri, Google Car und SpaceX, nahmen dort ihren Anfang. DARPA wurde 1958 als eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums gegründet  (11). Mit der Agentur sollte die technologische Vorrangstellung der USA im Verteidigungsbereich ausgebaut werden. So verfolgt DARPA den Auftrag, substantielle Investitionen in zukunftsweisende Technologien zu tätigen, die insbesondere der nationalen Sicherheit dienen. Jährlich steht der Agentur ein Budget von ca. 3 Milliarden US-Dollar zur Verfügung (12/13) . Im Umgang mit den Forschungsprojekten zeichnet sich DARPA zudem durch eine vergleichsweise hohe Risikobereitschaft und einer hohen Toleranz für Misserfolge aus.

 

Diese Kombination aus notwendiger Grundlagenforschung und innovativem Start-Up-Geist soll nun auch in Europa in den Vordergrund rücken. „Wir müssen schneller experimentieren und echte Moonshots ermöglichen“, fordert J.E.D.I-Sprecher André Loesekrug-Pietri (14) . In diesem Sinne will sich die Initiative auf die Förderung weniger Projekte konzentrieren, diese dafür in einem schnellen Auswahlprozess identifizieren und mittels Auswahl nach Exzellenz jeweils zwischen fünf und 25 Millionen Euro für erfolgversprechende Tech-Projekte zur Verfügung stellen. Dabei geht es darum, schnellstmöglich Prototypen zu entwickeln. Die deutsch-französische Zusammenarbeit sei wichtig, so Loesekrug-Pietri, um die relevante Größe zur anschließenden Vermarktung zu erreichen. Zu den ausgewählten Zukunftsthemen sollen insbesondere Dekarbonisierung, Gesundheit und die 4. industrielle Revolution gehören. Gleichzeitig werden Projekte, die nicht zum Erfolg führen, auch schnell wieder beendet. Mit der J.E.D.I.-Initiative erhoffen sich die beteiligten Unternehmen und Forschungsinstitute, auch in Europa wieder attraktive Arbeitsbedingungen für bestens ausgebildete Forscher und Entwickler zu schaffen. Ihnen soll wieder eine langfristige Perspektive in Europa geboten werden anstatt sie ans Ausland zu verlieren.

 

Die Ziele der J.E.D.I.-Initiative spiegeln sich auch sehr gut in den Schlussfolgerungen der ESCP-Forscher wider. Danach brauche Europa eine ambitionierte Strategie zur unmittelbaren Förderung von KI-Vorhaben, die sowohl die Wirtschaft als auch die öffentliche Verwaltung umfasst (15). Dies müsse Hand in Hand gehen mit einer Weltklasse-Forschungs- und Wissenschaftsstrategie sowie einer internationalen Kampagne, um sich im Rennen zwischen den Vereinigten Staaten und China zu behaupten.

 

Nicht zuletzt bleibt der J.E.D.I.-Erfolg aber davon abhängig wie viele Unternehmer, Forscher, Wissenschaftler und Spitzenbeamte sich der europäischen Initiative anschließen und sie durchfinanzielle Unterstützung entsprechend fördern.

 

(1) - Jacques Delors Institut Berlin, Perspektiven für eine EU-Agentur für disruptive Innovation, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(2) - European Political Strategy Centre, The Age of Artificial Intelligence – Towards a European Strategy for Human-Centric Machines, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.

(3) - Frankfurter Allgemeine Zeitung, „Ein Weckruf für die Zukunft Europas“, 24.04.2018
(4) - Manager Magazin, „Die Mind-Mission“, 19.04.2018
(5) - European Political Strategy Centre, The Age of Artificial Intelligence – Towards a European Strategy for Human-Centric Machines, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(6) - Manager Magazin, „Die Mind-Mission“, 19.04.2018
(7) - Manager Magazin, „Die Mind-Mission“, 19.04.2018
(8) - Kooperation International, Vorschlag für eine deutsch-französische Innovationsagentur, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(9) - Bloomberg, „There Are Worries European Technology Will Be Left Behind”, 27.03.2018
(10) - Jacques Delors Institut Berlin, Perspektiven für eine EU-Agentur für disruptive Innovation, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(11) - DARPA, About DARPA, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(12) - DARPA, Budget, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(13) - Euractive, Return of the JEDI: European disruptive technology initiative ready to launch, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.
(14) - Manager Magazin, „Die Mind-Mission“, 19.04.2018
(15) - European Political Strategy Centre, The Age of Artificial Intelligence – Towards a European Strategy for Human-Centric Machines, zuletzt abgerufen am 30. April 2018.

 

 

 

Laura König - 24. Mai 2018