CO2-Emissionen: ein europäischer Vergleich

 

Die Europäische Union befindet sich derzeit auf einem guten Weg, ihr Ziel, die CO2-Emissionen (bzw. CO2-equivalenten Emissionen) zwischen 1990 und 2020 um 20% zu reduzieren. Im Jahr 2012 hatten die Mitgliedsstaaten ihren Treibhausgasausstoß im Vergleich mit 1990 bereits um 18% reduziert; diese positive Tendenz dürfte sich in den nächsten Jahren fortsetzen.

 

Jedoch verbergen sich hinter diesem Gemeinschaftserfolg einige wesentliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, vor allem, wenn man die CO2-Werte eines Landes in Relation zur jeweiligen Wirtschaftskraft setzt. Hier steht Frankreich mit seinen relativ niedrigen Emissionswerten gegenüber seinen Partnerländern vergleichsweise gut da: das Land produziert weniger als 11% der europäischen Emissionen, steht aber für 16% der europäischen Wirtschaftsleistung. Dagegen ist beispielsweise Polen, das einen Großteil seiner Elektrizität aus Kohlekraftwerken bezieht, ein Land mit einem proportional hohen Treibhausgasausstoß von 8,3% des europäischen Gesamtwerts, bei einem Anteil am europäischen Bruttoinlandsprodukt von nur 3%.

 

Deutschland wiederum scheint seit 1990 große Fortschritte gemacht zu haben: die Emissionen konnten seither um mehr als ein Viertel gesenkt werden. Damit haben die Deutschen bereits einen wichtigen Beitrag zum europäischen Reduktionsziel geleistet, der jedoch von zwei entscheidenden Faktoren gemindert wird: Zum einen bleibt das Land in absoluten Zahlen einer der größten Verursacher von CO2-Emissionen: die deutschen Treibhausgasemissionen sind zum Beispiel doppelt so hoch wie die französischen, während die Differenz beim BIP lediglich 22% beträgt. Zum anderen ist der Treibhausgasausstoß in Deutschland seit 2012 wieder gestiegen, wohingegen die Tendenz in fast allen anderen Ländern weiter rückläufig ist. Die Energiewende, die die Energiekonzerne zum Bau neuer Kohlekraftwerke drängt, hat somit einen paradoxen Einfluss auf die Klimaziele. So ist es bei den aktuellen Rahmenbedingungen nicht sicher, ob die Bundesregierung ihr eigenes Reduktionsziel von 40% zwischen 1990 und 2020 erreichen wird.

 

Quellen: UNEP (Umweltprogramm der Vereinten Nationen), Europäische Umweltagentur (EUA)

 

Christophe Gauer 23. Oktober 2013