Neue Impulse für die deutsch-französische Wirtschaft

 

Dass die deutsch-französischen Beziehungen wichtiger als je zuvor sind, konnte man am 10. November in Berlin beobachten. Nicht nur besuchte an diesem Tag eine Delegation der französischen konservativen Partei Les Républicains (LR) die Bundeshauptstadt, gleichzeitig fand auch zum zweiten Mal das German French Business Forum statt. Mit überraschend frischen Diskussionsformaten ist diese Veranstaltung auf dem besten Weg, sich zu einem festen Treffpunkt für die deutsch-französische Wirtschaft zu entwickeln. Organisiert von Handelsblatt und der französischen Wirtschaftszeitung Les Echos, wurde unter dem Motto „Gemeinsam in einer Welt, die sich immer schneller dreht“ ein breites und vor allem aktuelles Themenspektrum diskutiert, das von der Flüchtlingskrise über Fragen der Energie und Verteidigung bis hin zu „digitaler Disruption“ und Startups reichte.

 

In den Diskussionen zeigte sich einmal mehr, dass das deutsch-französische Paar trotz aller Unterschiede und Differenzen aufeinander angewiesen ist. Beispielsweise als Ulrich Grillo (Präsident des BDI) daran appellierte, die aktuellen Migrationsbewegungen als Chance und nicht als Gefahr zu sehen und mit Blick auf die bislang verhaltene Position Frankreichs bezüglich der Aufnahme von Flüchtlingen lancierte: „Merkel hat auf die Leistungsfähigkeit Europas vertraut. Wir müssen jetzt beweisen, dass Europa funktioniert.“

Der französische Staatssekretär Matthias Fekl räumte zwar ein, dass ein Land alleine nicht alle Flüchtlinge empfangen könne. Demgegenüber hob er jedoch einen Aspekt hervor, der in der deutschen Debatte häufig außer Acht gelassen wird: Das militärische Engagement Frankreichs in den Krisenregionen der Welt. Denn dieses leiste ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung der Flüchtlingsströme, wie Fekl ausführte.

 

Die Diskussion zum Thema Verteidigung zeigte vor allem in eine Richtung: europäische Konsolidierung. Mit den Chefs von Krauss-Maffei Wegmann und Nexter auf dem Podium, die sich in den kommenden Monaten zu einem neuen deutsch-französischen Rüstungskonzern zusammenschließen werden, bestimmte vor allem die Frage grenzüberschreitender Kooperationen im Rüstungssektor das Panel. Beide hoben naturgemäß die Wichtigkeit und die Vorteile europäischer Zusammenschlüsse in der Verteidigungsindustrie hervor, beispielsweise niedrigere Beschaffungskosten und höhere Konkurrenzfähigkeit auf den Weltmärkten. Aber auch Hans-Peter Bartels (SPD), Wehrbeauftragter der deutschen Bundesregierung, stimmte zu, dass man bei „Kooperationen mit dem Ziel Europäisierung“ vorankomme und „der Wille zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich stärker sei als zwischen allen anderen europäischen Staaten“. Um Fusionen im Rüstungssektor die politische Brisanz zu nehmen, formulierte Frank Haun (KMW) abschließend: „Wir sind ganz einfach zwei Gemüsehändler, die sich zusammentun.“

 

Auch in den aufstrebenden Wirtschaftssektoren im Bereich Digitalisierung und Startups tut sich Einiges zwischen Deutschland und Frankreich – ein Aspekt, der für die Zukunft optimistisch stimmen kann. Mit Berlin und Paris als zwei Zentren der europäischen Startup-Szene, waren auch zahlreiche junge Unternehmer in den Diskussionspanels vertreten. So z.B. von französischer Seite das Startup La Belle Assiette, das dabei ist den europäischen Catering-Markt zu revolutionieren, oder Captain Train, das eine europaweite Suchmaschine für Zugtickets anbietet. Ihre Beiträge machten deutlich, dass nationale Grenzen im Zeitalter der digitalen Entgrenzung für neue Business Modelle leicht eine Hürde darstellen können, beispielsweise dann, wenn es um eine schnelle Expansion in neue Märkte, die Entsendung von Mitarbeitern oder administrative Vorgaben geht. Die deutschen und französischen Jungunternehmer machten vor allem eines deutlich: Sie sehen Deutschland und Frankreich als Kernregion eines gesamteuropäischen Marktes, der durch die Digitalisierung leicht erschließbar geworden ist. Entsprechend appellierten sie an die Politik, europäische Widerstände weiter abzubauen.

 

Trotz aller Probleme und Herausforderungen ist das deutsch-französische Paar nach wie vor quicklebendig und stärker denn je aufeinander angewiesen. Die dritte Ausgabe des German French Business Forum wird den Dialog im nächsten Jahr fortsetzen.

 

Steffen Drees - 25.November 2015