Deutschland und Frankreich treiben gemeinsam die Innovationsforschung im europäischen Mittelstand voran

 

Die französische Förderbank Bpifrance und die AiF Projekt GmbH (Projektträger des Bundeswirtschaftsministeriums für das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand ZIM) haben vor kurzem einen Förderaufruf für deutsch-französische Forschungs- und Entwicklungsprojekte von innovativen Produkten, Verfahren oder technischen Dienstleistungen gestartet. Ziel der Initiative ist es, gemeinsam marktreife Lösungen zu entwickeln, die in Frankreich, Deutschland, der EU oder weltweit  Zukunftspotenzial haben.

Über das Fördermittelprogramm, das noch bis zum 18. Dezember 2015 läuft, soll die Innovationsfähigkeit deutscher und französischer Firmen verbessert werden. Diese ist zwingend nötig, um langfristig eine Produktion mit hoher Wertschöpfung in Europa zu erhalten, die wiederum die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen verbessert und damit das Wachstum und die Arbeitsplätze von morgen sichert.

Für die Europäische Union, wie für die meisten ihrer Mitgliedsstaaten, besteht heute kein Zweifel mehr daran, dass Innovationen von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung unserer Volkswirtschaften sind. Deshalb werden Innovationsfähigkeit, Fortschritte und Schwächen der einzelnen Länder von der EU-Kommission detailliert analysiert und können in den seit 2013 veröffentlichten 'Europäischen Innovationsanzeigern' nachgelesen werden.

 

Allerdings ist es nicht immer einfach zu ermitteln, was genau die Innovationskraft antreibt und den richtigen Rahmen hierfür zu schaffen. Sicher ist, dass die Fähigkeit zur Kooperation entscheidende Bedeutung für die Innovationskraft der einzelnen Akteure hat. Ein funktionierendes 'Ökosystem der Innovation' ist nicht nur für die Entwicklung neuer, kreativer Ideen, sondern auch für ihre Umsetzung in wirtschaftlich tragfähige Projekte unabdingbar.

Außerdem erfordert es eine strategische Vision und einen langen Atem, um wirklich innovativ zu sein. Das heißt, dass auch die entsprechenden finanziellen Mittel gefunden werden müssen, was besonders in Krisenzeiten nicht immer einfach ist. Aus diesem Grund bedarf Innovationskraft oft auch der Förderung durch Dritte.

 

In Deutschland ist Innovationsförderung bereits seit einiger Zeit ein Schwerpunktthema, das auch in der 'Neuen High-Tech-Strategie - Innovationen für Deutschland' aufgegriffen wird. Die Bundesregierung identifiziert darin Zukunftsstrategien für verschiedene Themenbereiche, die als entscheidend für die Entwicklung des Landes verstanden werden, wie die Stärkung der 'Innovationsdynamik in der Wirtschaft' oder die Schaffung 'innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen'.

Auch in Frankreich häufen sich die Regierungsinitiativen zur Förderung innovativer Zukunftsprojekte. In der unlängst veröffentlichten Strategie zu den 'Ambitionen für Digital- und Informationstechniken' der französischen Regierung geht es unter anderem um 'Innovationsfreiheit', wozu auch die 'Unterstützung von Startups der French Tech' sowie die Förderung der 'Industrie der Zukunft' gehören.

 

Beide Länder weisen dabei den mittelständischen Unternehmen eine besondere strategische Bedeutung im Ökosystem der Innovation zu. Sie gelten allgemein nicht nur als flexibler als große Konzerne, sondern konzentrieren bei sich oft auch qualifizierte, hochspezialisierte Mitarbeiter. Dadurch etablieren sie sich häufig als Innovationsführer in ihren entsprechenden Fachgebieten. Allerdings fehlen ihnen zur Durchführung von personalaufwändigen Innovationsprojekten mit unsicherer Rendite manchmal die entsprechenden Mittel.

Hier will das neue Förderprogramm von Bpifrance und AiF anknüpfen und verfolgt dabei gleich drei spezifische Ziele:

- Die Förderung von marktnahen Innovationen im Technologiebereich, wodurch der unter anderem die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen, französischen und europäischen Industrie gestärkt und so langfristige Unterstützung geleistet werden soll.

- Den Ausbau des Technologietransfers, der für die Entwicklung angewandter, praxisnaher Lösungen mit Marktpotential von entscheidender Bedeutung ist. Die Teilnahme von Forschungsinstituten und Universitäten am Ausschreibungsprozess ist nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht.

- Die Förderung der Zusammenarbeit von deutschen und französischen Unternehmen und damit auch die gegenseitige Kenntnis und das Verständnis füreinander.

 

 Wenn man davon ausgeht, dass die Interessen der europäischen Volkswirtschaften in einer globalisierten Welt ziemlich ähnlich sind, kann man hier von einer konkreten deutsch-französischen Gemeinschaftsinitiative sprechen. Ohne große politische Reden und Absichtserklärungen  werden pragmatisch reale Projekte unterstützt, die hoffentlich die erwünschten, messbaren und effizienten Ergebnisse bringen werden. Nun liegt es an den Unternehmen, diese Gelegenheit zur gemeinschaftlichen Innovationsentwicklung gewinnbringend zu nutzen.

 

 

Weiterführende Links:

 

- Webseite von Bpifrance auf Französisch

- Webseite des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand (auf Deutsch)

- Die Neue High-Tech-Strategie - Innovationen für Deutschland (auf Deutsch)

- Die Ambitionen für Digital- und Informationstechniken der französischen Regierung (auf Englisch)

- Europäische Innovationsanzeiger der EU-Kommission (auf Englisch)

 

 

Katharina Maier - 5. Oktober 2015